„Endlich verständlich“: Kunststoff-Recycling – PET ist nicht gleich PET

„Endlich verständlich“: Kunststoff-Recycling – PET ist nicht gleich PET

PET, kurz für Polyethylenterephthalat, ist ein thermoplastischer, also durch Umschmelzen formbarer Kunststoff. Er war bis Anfang der 90er Jahre als Verpackungskunststoff praktisch bedeutungslos; heute beherrscht der Werkstoff den Sektor der Getränkeverpackungen aus Kunststoff und gewinnt täglich neue Verpackungsfelder dazu.

PET ist im Normalfall teilkristallin. Damit der Stoff durchsichtig wird, wird er aufgeschmolzen und schlagartig abgekühlt. Die Ketten haben nicht die Zeit, sich zu ordnen und werden ungeordnet „eingefroren“. Dieses PET wird als PET-A (für amorph) bezeichnet und ist der Werkstoff, aus dem Getränkeflaschen hergestellt werden, heute aber auch viele Schalen und Blister. Gibt man demselben Kunststoff Zeit, sich beim Abkühlen zu ordnen, würde kristallines PET-C entstehen. Beide Stoffe sind chemisch absolut gleich. Wer was wird, entscheidet sich allein in der Verarbeitungsdauer. Es ist klar, dass PET-A und PET-C zusammen recycelt werden können.

Das Problem vom PET-A ist, dass die Kristallisation nur angehalten ist. Wenn der Kunststoffe wieder über ein bestimmtes Maß hinaus aufgewärmt wird (ca. 140 °C), setzt die Kristallisation doch noch ein und macht den Werkstoff trübe und aus Verpackungssicht unansehnlich. Die ungewollte Trübung würde entstehen, wenn Becher mit Schutzfolien versiegelt werden müssen oder PET-A zur Herstellung von Bechern und Blistern tiefgezogen wird. Auch Lösemittel können die Kristallisation starten. Deshalb kann man PET-A nicht gut bedrucken.

Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde PET-G entwickelt. Bei seiner Herstellung wird Glykol in die Molekülfäden aus PET eingearbeitet. Dadurch werden die Ketten in ihrem Aufbau schwieriger und verlieren ihre Fähigkeit zu kristallisieren. Der Werkstoff ist immer kristallklar und kann erwärmt und bedruckt werden. Für die Herstellung von Flaschen ist er weniger geeignet. Und er ist teurer.
PET-G ist nur mit Mühe von anderem PET zu unterscheiden. Außerdem wird PET-G oft aus Kostengründen zusammen mit PET-A im Verbund eingesetzt. Da PET-G chemisch nicht dem PET-A oder PET-C entspricht, können beide Stoffe nur schlecht miteinander recycelt werden. Es ist tatsächlich PET nicht gleich PET.

Es gibt zwei Wege, diesem Recyclingproblem zu begegnen.

Der erste Weg ist, PET chemisch zu recyceln, d.h. der Kunststoff wird in seine Einzelbausteine zerlegt. Dabei kann das Glykol vom PET-G entfernt werden. Um ein chemisches Recycling aufzubauen, werden große Mengen Altkunststoff benötigt. Hohe Investitionen sind erforderlich. Dieser Weg scheitert, wenn die hohen Investitionen dadurch gefährdet werden, dass der zu recycelnde Stoff plötzlich nicht mehr in den erforderlichen Mengen anfällt.

Der zweite Lösungsweg sieht vor, dass auf PET-G als Verpackungswerkstoff verzichtet wird. Es gibt absolut vergleichbare Verpackungslösungen aus modifiziertem PP, die deutlich recyclingfreundlicher wären.

Fazit:
PET ist nicht gleich PET. Bereits geringe Mengen PET-G stören die Verwertung des großen PET-A-Mengenstromes. Dabei ist PET-G als Verpackungswerkstoff nicht unverzichtbar.